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Das Handwerk im Wandel - Interview mit Experte Jörg Mosler

Mahlzeit! Wir haben uns den Umständen bedingt aber auch dem Thema entsprechend per Videochat mit Jörg Mosler über die Digitalisierung des Handwerks unterhalten. Das Ergebnis war ein sehr aufschlussreiches und inspirierendes Gespräch das du hier nachlesen kannst. Viel Spaß!




Vom Mechaniker zum Mechatroniker: Wie siehst du die Entwicklung des Handwerks im Bezug auf die Digitalisierung?


Es ist schwierig vom Handwerk im Allgemeinen zu sprechen, weil die Branche so divers und komplex ist. Im Bereich Metall und KFZ sind die Gewerke schon sehr stark von der Digitalisierung getrieben und haben das Berufsbild geprägt. Die restlichen Handwerksberufe sind und bleiben in ihrer Kerntätigkeit häufig fast unverändert.

Die meisten Handwerksarbeiten können nicht gänzlich und in vergleichbarer Qualität von Maschinen übernommen werden. Dafür sind die Aufgaben schlicht zu kompliziert und individuell. Das verleiht natürlich auch ein gewisses Maß an Sicherheit. Die Digitalisierung kann also ausschließlich dazu dienen, den Beruf des Handwerkers aufzuwerten.

Persönliche und direkte Kommunikation sind ein wichtiger Bestandteil im Alltag eines Handwerkers. Inwiefern beeinflusst diese Charakteristik den Digitalisierungsprozess?

Wir sehen in der Handwerksbranche einen großen Vorteil im direkten Kontakt mit Kollegen und Kunden. Es herrschen größtenteils familiäre Strukturen vor mit kurzen Kommunikationswegen. Wer im Handwerk arbeitet, der ist also nicht nur eine austauschbare Nummer unter vielen. Hier werden enge Kontakte geknüpft, die sich teilweise über Jahre halten. Man ist nicht anonym und hat direkten Einfluss auf die getane Arbeit. Das macht das Handwerk aus!

Aber, in diesem Prozess kann man vieles einfacher machen, ohne die Persönliche Komponente zu verlieren. Im Prinzip geht es darum, z.B. den Kunden digital so abzuholen, dass nicht jeder die gleiche Frage stellt. Eine entsprechende Aufarbeitung der Website, die gängige Fragen beantwortet ist wesentlich effizienter als lange Telefonate. Die vorherrschenden analogen Prozesse können also teilweise digitalisiert werden, jedoch nicht gänzlich ersetzt. Am besten eignen sich wiederkehrende Prozesse dafür. Digitale Lösungen gibt es mittlerweile viele. Es lohnt sich also nochmal mit Bedacht auf das eigene Unternehmen zu schauen, und zu analysieren, wo innovative Technik eingesetzt werden kann und wo nicht. Analog denken und dann digitalisieren! Denn, ein digitaler Prozess ist nur dann ein Mehrwert, wenn er einen Nutzen hat.

Obwohl einige große und kleine Handwerksbetriebe bereits proaktiv und fortschrittlich in Bezug auf die Digitalisierung handeln, bietet die große Masse viel Raum für Verbesserungen. Wie erklärst du diesen „innovativen Rückstand“?

Mangelnde Innovationsbereitschaft ist kein handwerkliches Problem, sondern ein menschliches. Wenn wir nicht müssen, verändern wir uns nicht. Veränderung entsteht nur dann, wenn es einen Mehrwert impliziert oder wenn es nicht mehr anders geht. Das Problem ist, dass es häufig an der richtigen Ansprache mangelt. Die Art und Weise wie neue Lösungen kommuniziert werden ist von enormer Wichtigkeit. Unternehmer sind logischerweise an erster Stelle an dem Nutzen für das Unternehmen interessiert. Wenn dabei nicht überzeugend vermittelt wird, was der einzelne Mitarbeiter davon hat, ist es meist schwierig neue Praktiken zu implementieren.

In der Praxis ist es in der Regel so, dass bei neuen Veränderungen zuerst Unstimmigkeiten in dem Betrieb bestehen. Man hat die Befürworter, die Gegner und die unentschlossenen. Dann sind die Befürworter gefragt, diese Veränderung testweise voranzubringen und nach weiteren Unterstützern zu suchen. Nur so lässt sich nachhaltig eine Veränderung etablieren.


Was aber, wenn ich kein technik-affines Personal habe?


Die Digitalisierung ist zum Glück keine Raketenwissenschaft. Der Einstieg ist denkbar einfach wenn man sich nur ein bisschen Zeit dafür nimmt. In einem Betrieb mit 5 Mitarbeitern, ist meistens mindestens einer dabei, der ausreichende Kenntnisse für z.B. die Pflege eines Social Media Accounts hat. Es geht ja nicht darum die beste Werbekampagne zu schalten, sondern authentisch aufzutreten und Vorteile wie digitale Sichtbarkeit, Kundensupport, Kundenfeedback und mehr zu nutzen. Es muss quasi unperfekt sein damit es gut ist!

Konkurrenz belebt das Geschäft. Welche Rolle spielt der Konkurrenzdruck im Bezug auf die Innovation?

In Zukunft wird es noch wichtiger sein, Innovationen in Form der Spezialisierung zu unterstützen. Bäcker beispielsweise waren früher die Anlaufstelle für jegliche Backwaren in der Nachbarschaft. Heutzutage können Sie kaum noch mit den überregionalen Großbäckereien mithalten. Durch die Spezialisierung auf Brot oder Torten, haben die traditionellen Bäckereien wieder ein Alleinstellungsmerkmal und einen kompetitiven Vorteil.

Zum anderen ist der Zugang zu Kunden ein immer wichtiger werdendes Thema. Aktuell haben viele Handwerker nicht das Bedürfnis sich digital weiterzuentwickeln, da es nicht die oberste Priorität ist. Andere Themen wie das Tagesgeschäft haben Vorrang. Die Kunden kommen trotzdem und man kann sich die Aufträge schon fast aussuchen. Anders sieht es bei der Mitarbeitergewinnung aus, dort sehen sich mehr und mehr Unternehmen in der Pflicht, durch digitale Innovationen attraktiver für neues Personal zu werden.

Unternehmen die sich ihrer Verantwortung in diesen zwei Bereichen bewusst sind, haben auch besser Zukunftsaussichten.

Was genau fehlt den potenziellen Mitarbeitern?

Untersuchungen zeigen, dass „schlechte Organisation“ ein Hauptgrund für Demotivation am Arbeitsplatz ist. Zudem liegt auch hier wieder ein Kommunikationsproblem vor. Viele Unternehmen haben sich schon intensiv mit digitalen Prozessen beschäftigt und auch einige eingebunden, nur leider wissen das immer noch zu wenige Menschen außerhalb der Unternehmen! Parallel dazu kämpft das Handwerk mit einem schwerwiegenden Imageproblem. Die Verknüpfung zwischen Fortschritt durch Digitalisierung und Handwerk wird zu selten gemacht. Die Handwerksbranche hat in der Wahrnehmung vieler immer noch einen zu Unrecht niedrigen sozialen Stellenwert. Es ist an der Zeit das durch verbesserte Kommunikation und Sichtbarkeit zu ändern.

Wer ist jetzt in der Verantwortung das zu ändern?

Unternehmer haben den Wandel bewegt und werden es auch weiter tun. Die Politik ist kein Innovationstreiber, sondern schafft lediglich die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Deshalb stehe ich dafür, dass eines Tages jeder die Chance hat das zu machen, was für ihn und seine Mitmenschen am Besten ist. Die wichtigste und nachhaltigste Motivation für Mitarbeiter ist doch, einen Beitrag zu leisten. Arbeit muss wichtig und sinnvoll sein.




Über Jörg Mosler

Er ist Visionär, Handwerker, Speaker, Autor und Experte im Bereich Mitarbeitergewinnung. Mehr Informationen findest du unter https://www.joerg-mosler.de/



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